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Weinlese 2026: Der Bericht unseres Önologen


Es gibt Weinlesen, die auf sich warten lassen, und Weinlesen, die davonlaufen. Jene von 2026 gehört ohne Zweifel zur zweiten Sorte.

Ende Juli haben wir dir im Beitrag „Wenn die Natur den Takt vorgibt: Warten auf die Weinlese 2026 “ von einer Saison erzählt, die mit viel Schwung begonnen hatte: ein milder Winter, ein warmer und regenarmer Frühling und Sommer, der Merlot bereits im Farbumschlag und das Gefühl, dass die Lese früher als üblich kommen würde. Damals konnten wir nur die Trauben beobachten und hoffen, dass der August, der heikelste Monat, keine bösen Überraschungen bereithalten würde.

Heute duftet der Keller nach Wein, und es ist Zeit, Bilanz zu ziehen. Dafür haben wir jemanden um Hilfe gebeten, der diese Weinlese Tag für Tag aus nächster Nähe erlebt hat: unseren Önologen. Hier ist sein Bericht – von den ersten Trauben Anfang August bis zu den letzten Kisten, die noch erwartet werden.

Eine frühe Weinlese

Die Prognosen des Sommers haben sich bestätigt. «Die Weinlese 2026 ist eine frühe Weinlese, wie alle wissen», bestätigt unser Önologe. Die Wärme der vergangenen Monate hat die Reife beschleunigt und alle gezwungen, früher als sonst loszulegen – und dabei für jede Traube den richtigen Moment zu wählen.

Die ersten: die Grundweine für Schaumwein

Als Erstes kamen die Trauben für die Schaumwein-Grundweine in den Keller. Die Lese begann in der ersten Augustwoche und endete um den 14. August. Das ist kein Zufall: Für einen Schaumwein braucht es Trauben mit guter Säure und nicht zu hohem Zuckergehalt. Schon wenige Tage länger zu warten, hätte bei den Temperaturen dieses Sommers bedeutet, einen Teil jener Lebendigkeit zu verlieren, die wir später in den Bläschen wiederfinden.

Der weiss gekelterte Merlot

Gegen Ende August begann die Vinifikation des weiss gekelterten Merlot. Er ist einer der typischsten Ausdrücke des Tessins: eine rote Traube, die sanft gepresst und sofort von den Schalen getrennt wird und so einen Weisswein ergibt. Auch hier ist der Lesezeitpunkt entscheidend, denn gesucht wird eine reife, aber noch frische und elegante Frucht.

Die Roten

Bei den Rotweinen aus dem Locarnese begann die Lese am 31. August und endete ungefähr am 14. September. Zwei intensive Wochen, in denen die Trauben für unsere Rotweine ihre Reife vollenden konnten, bevor sie in den Keller kamen.

Die Qualität der Trauben

Bei der Qualität der Trauben lässt das Urteil unseres Önologen keinen Zweifel offen:

    «Der Jahrgang 2026, diese Weinlese, ist aussergewöhnlich. Ich bin seit 2010 im Tessin, und dies war einer der besten Jahrgänge für den Merlot.»

Von jemandem, der die Tessiner Weinlesen seit über fünfzehn Jahren begleitet, hat diese Aussage Gewicht. In all dieser Zeit hat er verregnete und glühend heisse Jahre erlebt, plötzliche Hagelstürme und Zeitpläne, die im letzten Moment über den Haufen geworfen wurden. Gerade deshalb erkennt er einen wirklich besonderen Jahrgang.

Ausschlaggebend war das Gleichgewicht, das sich in den Monaten zuvor aufgebaut hatte. Die gesunden Reben und die regelmässige Reifung, die wir im Sommer beobachtet hatten, haben ihr Versprechen bis zur Lese gehalten. An Herausforderungen fehlte es nicht – vom Hagel, der einen Teil des Sottoceneri getroffen hat, bis zum immer häufigeren Japankäfer (Popillia japonica). Sie erforderten eine aufmerksame und ständige Kontrolle in den Rebzeilen.

Gesunde, gut ausgereifte Trauben sind der wertvollste Ausgangspunkt für die Arbeit im Keller: Sie erlauben es, so wenig wie möglich einzugreifen und die Frucht sprechen zu lassen.

Ein Tag während der Weinlese

Während der Weinlese bestimmen die Trauben den Stundenplan. Jeder Tag folgt einem genauen Rhythmus, der die Arbeit im Rebberg mit jener im Keller verbindet.

Am Morgen, in den Rebzeilen

Der Tag beginnt früh. Die Winzerinnen und Winzer lesen die Trauben in den Morgenstunden, wenn die Temperaturen noch kühl sind und die Trauben unversehrt und gesund ankommen. Traube um Traube füllen sich die Kisten.

Am Nachmittag, im Keller

Nach dem Mittagessen treffen die Trauben im Keller ein. Doch hier hat die Arbeit schon viel früher begonnen. Wie unser Önologe erklärt, ist die Vorbereitung der aufwendigste Teil: saubere, bereitstehende Tanks, kontrollierte Maschinen – alles muss perfekt funktionieren, wenn die ersten Kisten ankommen.

Dann beginnt das Quetschen: Die Beeren werden sanft aufgebrochen, um den Most freizusetzen. Und von diesem Moment an gibt es keine Pause mehr:

    «Nach dem Mittagessen beginnen wir mit dem Quetschen und hören erst auf, wenn die letzte Kiste verarbeitet ist.»

Eine einfache Regel, die den Geist der Weinlese gut beschreibt: Gelesene Trauben müssen so schnell wie möglich verarbeitet werden, auch wenn der Tag lang wird.

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Über 4'000 Doppelzentner

Dieses Jahr haben wir rund 4'000 Doppelzentner Trauben vinifiziert, also etwa 400 Tonnen. Hinter dieser Zahl stehen Tausende von Kisten, die in wenigen intensiven Wochen gelesen, transportiert, gewogen und eine nach der anderen verarbeitet wurden.

Und die Rechnung ist noch nicht abgeschlossen. Es fehlt nämlich noch die späte Americana, die letzte Traube der Saison. Diese Sorte ist eng mit der bäuerlichen Tradition des Tessins verbunden und wird gelesen, wenn alle anderen bereits im Keller sind. Letztes Jahr waren es rund 100 Doppelzentner, dieses Jahr vielleicht etwas mehr.

    «Die 4'000 Doppelzentner werden wir problemlos überschreiten.»

Ein Ergebnis, das zusammen mit der Qualität der Trauben diesen Jahrgang noch bedeutender macht.

Jetzt hat der Keller das Wort

Mit der letzten verarbeiteten Kiste weicht die Weinlese einer stilleren, aber ebenso wichtigen Arbeit. Nach der Lese beginnt im Keller die Arbeit des Kellerteams und des Önologen.

Der erste Schritt ist die Begleitung der Vinifikation: Gärungen überwachen, verkosten, Tag für Tag entscheiden. Danach folgt das Abpressen – der Moment, in dem der junge Wein von den Schalen und dem Trester getrennt wird, mit denen er seine ersten Lebenswochen verbracht hat. Von hier aus geht jeder Wein seinen eigenen Weg.

Im Rebberg hat der Jahrgang 2026 schon viel verraten: früh, gesund, grosszügig. Jetzt braucht es Zeit, Geduld und Sorgfalt, um aus diesen Trauben die Weine zu machen, die wir in den kommenden Jahren öffnen werden. Und wenn die Voraussetzungen so sind, wie unser Önologe sie beschrieben hat, wird es viel zu feiern geben.

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